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Interview Kritik der reinen Vernunft Beate
Kittl ...Die
Entdeckungen der Psychologen über simple Entscheidungswege rütteln am
Selbstbildnis des Menschen: Homo sapiens heisst zwar «der Wissende». Das
Ideal der rationellen Entscheidung, nach dem Kunden und Manager sämtliche
Optionen und ihre Auswirkungen berechnen sollen, prägt die Wirtschaft
denn auch bis heute. Tausende Lehrbücher und Beratungskurse beten vor,
wie die ideale Wahl getroffen werden sollte: Alle Aspekte entwirren und
gegeneinander abwägen. Doch: «So gefällte Entscheide sind oft
schlechter und benötigen erst noch mehr Zeit», sagt der
Entscheidungspsychologe Chris Roetheli. Weniger ist oftmals mehr. Denn im
Alltag stehen täglich Hunderte Entscheidungen an – Käse oder Salami,
links oder rechts, Aktien halten oder verkaufen? ...Also
geben Psychologen heute ganz neuen Rat für Entscheidungen im Alltag. «Seien
Sie Ihrer Ratio gegenüber kritisch», empfiehlt Chris Roetheli in seinen
Entscheidungsseminaren bei Firmen wie Roche und IBM. «Nüchternes Abwägen
schadet manchmal mehr, als es nützt.» Als Zweites lehrt Roetheli die
Manager, Situationen zu erkennen, in denen sie ihrer Intuition vertrauen können.
Gerade Experten lassen sich letztlich vom Gespür leiten, das ihnen die
grosse Erfahrung mit ähnlichen Situationen eingibt. «Das Gehirn ist fähig,
Aspekte einzubeziehen, deren man sich gar nicht bewusst ist», sagt
Roetheli. Schwieriger
ist es, wenn der Laie nicht einmal Halbwissen hat, sondern gar keins –
etwa wenn er sein erstes Auto, Haus oder seine erste Digitalkamera kauft:
Er hat begrenzte Zeit, keine Ahnung vom Fach oder vom angemessenen Preis.
Kommt dazu eine pingelige Entscheidungs-Natur, ist die Qual perfekt. Hier empfiehlt Roetheli, jene alltagstauglichen Regeln einzusetzen, die der Deutsche Gigerenzer untersucht. Nützlich ist die so genannte 37-Prozent-Regel. Mit ihr lässt sich das Niveau der Angebote abschätzen. Zum Beispiel bei der Wohnungssuche in einer fremden Stadt: In der üblichen Kündigungsfrist von drei Monaten finden sich realistischerweise etwa zehn Wohnungen, die in Frage kommen. Das Dilemma: Die allererste Wohnung ist wahrscheinlich nicht die Beste. Aber wer weiter sucht, riskiert, dass die soeben besichtigte, nette Wohnung weg ist. Statistiker haben herausgefunden, dass nach der Prüfung von 37 Prozent der Angebote klar ist, was zu erwarten ist. Also gilt: vier Wohnungen anschauen – und dann die nächste nehmen, die alle übertrifft... Ganzer
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© 2007 Dr. Roetheli Consulting GmbH - Stand: 12.04.2008 |