Wann
wissen wir genug?
Stopp-Mechanismen bei komplexen Entscheidungen**
Zwei
mögliche Stopp-Mechanismen stehen im Mittelpunkt dieser Studie. Der erste
Mechanismus – Urteilssicherheit – beruht auf der Idee, dass
Menschen solange Informationen suchen und verarbeiten, bis sie ein genügend
hohes Mass an subjektiver Sicherheit erlangt haben (Chaiken, Liberman
& Eagly, 1989). Der zweite Mechanismus – Satisficing –
basiert auf der Vorstellung, dass Menschen solange Informationen suchen und
verarbeiten, bis sie eine Lösung finden, die „gut genug“ ist (Simon,
1955, 1956).
In
zwei Experimenten wurde untersucht, ob Versuchspersonen in der Rolle von Führungskräften
ihre definitiven Urteile eher fällen, wenn sie sicher genug sind oder
eher dann, wenn Lösungen gut genug sind. 19 erfahrenen und 35 angehenden
Managerinnen und Managern wurden zwei Fallstudien vorgelegt – eine
Personal- und eine Informatikentscheidung –, in denen sie je eine verhältnismässig
wichtige und eine weniger wichtige Entscheidung treffen mussten. Die
Versuchspersonen konnten bis zu drei kostenpflichtige Informationsberichte
beziehen und nach deren Lektüre wählen, ob sie ein definitives Urteil
abgeben oder weitere Informationen beziehen wollen. Die Probanden wurden
nach der Lektüre der Problembeschreibung gefragt, wie sicher sie bei der
Entscheidung sein möchten, die beste Lösung gefunden zu haben, und wie
gut diese Lösung sein müsste. Nach der Bearbeitung jedes Berichts wurden
die Urteilssicherheit und die Qualitätseinschätzung der bevorzugten
Option erfasst.
Geprüft wurde, ob das Ende der einzelnen
Entscheidungsprozesse besser aufgrund des Sicherheits-Defizits (gewünschte
minus aktuelle Urteilssicherheit) oder der Qualitäts-Lücke
(Anspruchsniveau minus Qualitätseinschätzung) vorhergesagt werden kann.
Das Sicherheitsdefizit machte in 81% der Fälle und die Qualitäts-Lücke
in 75% der Fälle richtige Vorhersagen.
Die
Ergebnisse zeigen, dass komplexe Auswahl-Entscheidungen eher dann beendet werden,
wenn Menschen sicher genug sind, als wenn Lösungen für gut genug
befunden werden. Wird das Kosten-Nutzen-Verhältnis als Massstab genommen,
dann zeigt sich, dass knapp die Hälfte der erfahrenen Versuchspersonen
bei der weniger wichtigen Entscheidung auf eine sehr hohe Sicherheit
abzielten und zuviel Zeit und Geld investierten. Im Entscheidungsalltag
sollten wir uns deshalb öfter einmal fragen, ob wir bei weniger wichtigen
Dingen nicht etwas mehr Ungewissheit zulassen sollten, um mit der
eingesparten Zeit mehr Sicherheit bei wichtigeren Entscheidungen zu
erzielen.
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Roetheli,
C. (2002). Wann wissen wir genug? Stopp-Mechanismen
bei komplexen Entscheidungen. Dissertation, Zürich.
Inhaltsverzeichnis
und Vorwort. (PDF 74
KB)
I
Theoretische Ausgangspunkte: (1) Stopp-Mechanismus Urteilssicherheit,
(2) Stopp-Mechanismus Satisficing. (PDF
230 KB)
II
Empirische Analysen: (3) Ein Experiment mit unerfahrenen Entscheidern,
(4) Ein Experiment mit erfahrenen Entscheidern.
(PDF 407 KB)
III
Fazit: (5) Stopp-Mechanismen im Test, (6) Zusammenhänge zwischen den
Variablen, (7) Wann sollten wir genug wissen? (8)
Methodische Kritik und weiterführende Forschung, (9) Zusammenfassung
und Literatur.
(PDF 232 KB)